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Spiel mir das Lied vom Bronkowitz

20 Dec

1960 veröffentlicht das kleine US-Indielabel Peacock eine Single des erstklassigen Kleinganoven und begnadeten Keyboarders James Booker, inspiriert von dem B-Movie »The Pusher«, in dem ein gewisser Felice Orlandi eine Figur mit dem Spitznamen »Gonzo« spielt. So heißt auch Bookers Orgel-Instrumental, und irgendwie wird es danach das Lieblingsstück eines Journalisten namens Hunter S. Thompson, der so seinen persönlichen Schreibstil benennt. Jahrzehnte später greift (nicht zum ersten Mal in Deutschland) ein Mainzer Verlag den Begriff erneut auf – und in ebendiesem »Gonzo-Verlag« ist gerade ein höchst empfehlenswertes Buch erschienen.

peacock-gonzo

Stefan Gaffory hat in »Die neun Leben des King Bronkowitz: Wehe, Du schreibst nichts über die Nits« seine Magazin-Beiträge, Blogs und andere Artikel (»Kolumnen und Essays«) zu einer faszinierenden Sammlung zusammengestellt, die – egal wo man zu lesen beginnt – einen unwiderstehlichen Sog entwickelt. Hier schreibt jemand mit wütender Begeisterung über Musik: und zwar wirklich »über« sie – ihre Wirkung auf uns (bzw. den Autor), was sie anrichtet, wen sie vernichtet, womit es anfängt, und warum es nicht aufhört. Und dabei ist das alles äußerst vergnüglich zu lesen; wenn der Autor tobt wie ein Rumpelstilzchen, im nächsten Satz aber schon wieder zu Zen-artig abgehoben-sarkastischen Vergleichen ausholt und gleich darauf in Stein gemeißelte Urteile fällt wie ein Moses des Poetry-Slams in den Flammen von brennendem Vinyl.

Zwar wird im Klappentext behauptet, keine Musikrichtung sei vor ihm sicher, aber zum Glück dreht es sich vor allem um Metal, Hip-Hop und Indie-Gitarren. Tatsächlich werden die Texte merklich schwächer, wenn der Autor andere Bereiche betritt – Glossen über die Geburtstage von Dylan und Gottlieb Wendehals sind zynisch-unterhaltsam geschrieben und bringen sicherlich erwartbare Lacher bei Lesungen, sind aber genau das, was er den Unterhaltungs-Routiniers vorwirft: altes Garn professionell abgespult für die Fangemeinde. Und ich persönlich möchte garnicht, daß der Mann über die Nits schreibt und wäre jederzeit bereit, ihn mit vorgehaltenem Scheck daran zu hindern. Man will ja auch nicht wissen, was Reich-Ranicki von Hüsker Dü hält, oder Dr. Eckart von Hirschhausen über Arno Schmidt zu sagen hat… Es ist jedoch zum Durchschmökern des (immerhin 331 Seiten starken) Bandes nicht unbedingt nötig, Gafforys Musikgeschmack zu teilen, es besteht allerdings die Gefahr, daß man sich schließlich dann doch mal eine Slayer-Platte anhört. Oder zwei; denn der Autor mag Listen. Lange, detaillierte, vollständige, aber vor allem: Listen.

Und das bildet den überraschenden Kontrast zum Noise-bedröhnten Sprach-Tornado – da werden buchhalterisch Listen-Konzepte entworfen, penibel durchgeführt, und immer wieder konstatiert, daß man soeben alle (natürlich selbst-erdachten) Kriterien brav erfüllt hat. Nebensächliche Details, die anfangs noch wie leicht irritierend-pathologischer Mitteilungsdrang wirken, entwickeln im Laufe des Buches ein Eigenleben, und man WILL einfach wissen, ob er diese bestimmte LP nun im Drogeriemarkt oder beim WOM gekauft hat (und wann)! Überhaupt bekommen autobiographische Streiflichter und Berichte schließlich immermehr die Oberhand, was dem Buch auf angenehme Weise eine zweite Erzählebene verschafft und verhindert, daß der Band als Printversion von Rate Your Music-Listen endet. (Warum gibt es eigentlich kein Personenregister? Allein, um endlich mal Fips Asmussen und Lemmy zusammen gelistet zu sehen…)

Was bleibt ist die Erkenntnis, daß die Gnade der späten Geburt durchaus ihre Nachteile hat – wer David Bowie über »Let’s Dance« und R.E.M. über »The One I Love« kennenlernt, hat einfach dermaßen lächerlich schlechte Karten, daß es kein Wunder wäre, wenn sich die pubertäre Sammel-Leidenschaft alsbald von Platten auf Panini-Bildchen oder Zinnsoldaten verlagert hätte. Herr Bronkowitz hat durchgehalten, die hoffentlich zahlreiche Leserschaft profitiert, und er schreibt zum Glück nicht über die Nits, sondern von dem, was ihm am Herzen liegt: »Music is the best.« (Frank Zappa).

Und – kauft das Buch nicht irgendwo im Computerkastl; geht in einen Buchladen und bestellt es dort: dann müßt ihr euch vor den Nachbarn nicht rechtfertigen, und die Welt wird eine bessere.

nichtnits-cover

Stefan Gaffory
Wehe, Du schreibst nichts über die Nits
Die neun Leben des King Bronkowitz: Kolumnen und Essays
Gonzo-Verlag, Mainz 2016, ISBN 978-3-944564-14-2

Another NITS SET?

21 Feb

In a letter from E. Nitsfans were asked to compile a set of their favorite Nits tracks – 3 discs with 60 minutes each. Here’s mine:

NitsPix 1

YES | From NITS to ADIEU SWEET BAHNHOF:

  1. Yes Or No (Single Version) | “Nits” era 1977
  2. Looking For A Friend | “Nits” era 1978
  3. Some Other Night | “Tent” era 1979
  4. Hook Of Holland | “Tent” album 1979
  5. Office At Night | “New Flat” album 1980
  6. A Statue | “New Flat” album 1980
  7. Red Tape | “Work” album 1981
  8. Empty Room | “Work” album 1981
  9. Spirits Awake | “Omsk” album 1983
  10. A Touch Of Henry Moore | “Omsk” album 1983
  11. Nescio (Alternative Mix) | “Omsk” era 1983
  12. Sketches Of Spain | “Kilo” mini-album 1983
  13. Dapper Street | “Kilo” mini-album 1983
  14. Woman Cactus | “Adieu Sweet Bahnhof” album 1984
  15. Adieu, Sweet Bahnhof | “Adieu Sweet Bahnhof” album 1984
  16. Close Up The Honky Tonks | “Adieu Sweet Bahnhof” era 1984

NitsPix 2

BOY | From HENK to dAdAdA:

  1. Under A Canoe | “Henk” album 1986
  2. Home Before Dark | “Henk” album 1986
  3. Cabins | “Henk” album 1986
  4. House On House | “In The Dutch Mountains” era 1987
  5. Two Skaters | “In The Dutch Mountains” album 1987
  6. In The Dutch Mountains | “In The Dutch Mountains” album 1987
  7. The Train | “Hat” mini-album 1988
  8. Boy In A Tree | “Giant Normal Dwarf” album 1990
  9. Around The Fish | “Giant Normal Dwarf” album 1990
  10. Giant Normal Dwarf | “Giant Normal Dwarf” album 1990
  11. Fire In My Head | “Ting” album 1992
  12. Moved By Her | “Ting” era 1992
  13. Yellow Boat | “Ting” album 1992
  14. Sometime In Winter (Version) | “dAdAdA” era 1994
  15. Fishes | “dAdAdA” era 1994
  16. Dreams | “dAdAdA” album 1994

NitsPix 3

SKY | From ALANKOMAAT to MALPENSA:

  1. Alankomaat | “Alankomaat” era 1998
  2. Three Sisters | “Alankomaat” album 1998
  3. Soul Man | “Alankomaat” album 1998
  4. The Strawberry Girl | “Wool” era 2000
  5. 26A (Clouds In The Sky) (Remix) | “Wool” era 2001
  6. Welcome Back | “1974” album 2003
  7. Chain Of Ifs | “1974” album 2003
  8. The Rising Sun | “Les Nuits” album 2005
  9. The Milkman | “Les Nuits” album 2005
  10. Five & Dime | “Doing The Dishes” album 2008
  11. In Dutch Fields | “Doing The Dishes” album 2008
  12. Departure | “Strawberry Wood” album 2009
  13. Jisp | “Strawberry Wood” album 2009
  14. Return | “Strawberry Wood” album 2009
  15. Schwebebahn | “Malpensa” album 2012
  16. Bad Government And Its Effects On Town And Country (Perquisite Mix) | “Malpensa” era 2012